Der Schwimmteich als Spielplatz

Vor mehr als einem Jahrzehnt haben die Schwimm- und Badeteiche ihren Siegeszug durch europäische Gärten begonnen. Fasziniert von der Idee, sich von der chemischen, auch Chlor basierenden Reinigung des Swimmingpools zu lösen, begann man Ende der 80-iger Jahre in Schleswig Holstein mit dem Umbau eines privaten Pools. Hintergrund war unter anderem die Faszination, die vom Element Wasser ausgeht. Was aber reizt immer mehr Menschen in Europa daran, mit Frosch und Co baden zu gehen?

Spaß rauf – Kosten runter: ein Schwimmteich rechnet sich

Kaum bekannt, war die Idee der Schwimm- und Badeteiche nicht mehr aufzuhalten. Schnell fanden Gemeinden Gefallen an der Alternative zu konventionell gereinigten Schwimmbädern. Kein Wunder, denn die Sanierungskosten der maroden Beckenanlagen sind in der Regel deutlich höher als die Umbaukosten in einen Schwimmteich. Gelungene Beispiele dafür zeigt eine Liste von kommunalen Schwimmteichen, die auf der Homepage der DGfnB e.V. unter www.kleinbadeteiche.de zu sehen sind. Geringe Unterhaltungskosten machen Schwimmteiche attraktiv und daran ist jede Gemeinde interessiert. Damit sind die Sparpotentiale aber nicht ausgeschöpft. Häufig kann alte Technik wiederverwendet werden und die Wahl des Betreiberkonzeptes macht einen ganzjährigen, weniger personalintensiven Betrieb möglich. Viele Gemeinden haben sich dazu entschieden, ihre kommunalen Schwimmteiche an Betreibervereine zu verpachten.

Ganzjähriger Erlebnisspaß im und am Schwimmteich

Ganz im Trend der Erlebnisbäder werden die kommunale Anlagen mit immer mehr Fit – und Funartikeln ausgestattet. Beachvolleyball, Kleinfeldfußball und Bocciabahnen gehören ebenso dazu wie Wasserrutschen, Erlebnisspielplätze, Raftingbahnen, Wasserspielplätze, künstliche Grotten mit Wasservorhang und Sprunganlagen. Um eine Nutzung ganzjährig attraktiv und nutzbar zu machen, muss schon in der Planungsphase darauf Rücksicht genommen werden. Eisstockschießen und Schlittschuhfahren sind auf gefrorenen Schwimmteichen nicht unproblematisch. Technische Einrichtungen wie Stege, Skimmer (Oberflächenabsaugung) und die Dichtungsbahnen sind die Knackpunkte beim Winterbetrieb. Stege und Plattformen aus Holz leiden unter der Benutzung mit Schlittschuhen, Skimmer und Rinnen ebenfalls. Bei letzteren handelt es sich hauptsächlich um Produkte aus Edelstahl oder Kunststoff, die nicht betreten werden dürfen. Um diese Einrichtungen zu schützen und zur Wahrung der Aufsichtspflicht sollte im Falle eines Winterbetriebes eine Aufsichtskraft vorhanden sein. Denkbar ist in solchen Fällen die Zusammenarbeit mit der DLRG.

Spannender Physikunterricht vor Ort

Für den Schulunterricht sind Schwimmteiche ein Quell an praktischer Wissensvermittlung. Kaum ist das Badewasser eingelassen, finden sich die Wasserläufer ein. Für diese flugfähigen Insekten ist die Oberflächenspannung des Wassers lebensnotwendig, denn sie bewegen sich laufend auf der Wasseroberfläche fort. Schon geringste Mengen an Tensiden, die die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen, zerstören ihren Lebensraum. Ähnliche Eigenschaften des Wassers benutzt die Wasserspinne, die eigentlich gar nicht unter Wasser leben kann. Nur durch einen Trick schafft sie sich einen neuen Lebensraum: sie nimmt eine Luftblase mit unter Wasser, fein drapiert an ihrem Hinterteil. Die Piratenspinne dagegen kann so schnell über die Wasseroberfläche laufen, daß sie nicht einsinkt. Physikalische Eigenschaften des Wassers, die Gefahren der Umweltverschmutzung und ihre Einflüsse auf den Lebensraum Teich lassen sich anhand der Insektenwelt eindrucksvoll darstellen. So können junge Forscher viel über die Zusammenhänge zwischen Tier- und Pflanzenwelt erfahren.

Öffentlich oder privat – Hotelanlagen

Schwimmteiche halten immer häufiger in Hotelanlagen Einzug. Gelegentlich wird ihnen das Attribut ´halböffentlich´ zugeschrieben, dass mehr auf die Nutzung denn auf den Ansatz von Richtlinien bezieht. Rechtlich gesehen muss man hier allerdings von öffentlichen Anlagen ausgehen, auch wenn in den meisten Fällen nur die Hotelgäste baden gehen werden. Zur rechtlichen Absicherung sollten sich die Betreiber immer mit ihren Versicherern in Verbindung setzen und die Haftungsfrage klären. Für den Betrieb von privaten Schwimmteichen gibt es derzeit noch keine gültigen rechtlichen Anforderungen, allerdings ist man im Moment in der FLL e.V. daran, ein Regelwerk zu erarbeiten. Derzeit kann also bauen wie und was man möchte, ist nur dem Willen des Bauherrn und ggf. geltender Richtlinien angrenzender Fachgebiete unterworfen. Hier findet sich noch die Grauzone, die im kommunalen Bereich – und dazu zählen z.B auch Hotelanlagen – mit Veröffentlichung der FLL-Richtlinien und den Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA) abgeschafft wurde. Derzeit sind sogar die ersten Anlagen unter Glas, quasi Hallenbäder mit vollbiologischer Reinigung, in Planung bzw. eröffnet worden.

Fazit: play, leisure and fun

Schwimmteiche sind ökonomisch klar im Vorteil gegenüber Swimmingpools. Die Verbindung von vollbiologischer Reinigung mit ganzjähriger Nutzung machen sie für private und kommunale Bauherrn immer attraktiver. Und sollte die eigentliche Verwendung als Schwimmteich einmal wegfallen, sind sie als Biotop deutlich wertvoller als ein gechlorter Swimmingpool. Mehr Informationen dazu finden sich in der Bibliothek der DGfnB e.V. und unter www.kleinbadeteiche.de

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer e.V.)