Klar ohne Chlor – Schwimm und Badeteichanlagen (Kleinbadeteiche) setzen sich durch

Mehr als zwanzig Jahre ist es her, seit der erste private Schwimmteich gebaut wurde.
Die Idee, mit vollbiologischer Reinigung den herkömmlichen, gechlorten Swimmingpools Paroli zu bieten, war anfänglich schnell als grünes Spinnertum abgetan. Mit wenig Aussicht auf Zukunft.

Die Gegenargumente: kein Markt, mangelhafte Hygiene, keine Aussicht auf klares Wasser und noch viel weniger auf dauerhaften Betrieb in Großanlagen.
Wie schief die Kritiker damit lagen, zeigen die Erfahrungen in mehreren Tausend Privatanlagen und mehr als 50 kommunalen Anlagen allein in Deutschland.
Ein regelrechter Siegeszug in Anbetracht der Tatsache, dass man mit dem ersten kommunalen Freibad in Uslar erst 1997 startete, und im Spitzenjahr 2003 bisher über zehn kommunale Anlagen in Betrieb genommen werden konnten.

Österreich, Vorreiter der Schwimmteichidee (seit 1990) konnte innerhalb kurzer Zeit in der Anzahl gebauter Bäder überholt werden.
Einen Überblick über die öffentlichen Naturbäder in Deutschland findet man auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer e.V.

Ein Kritikpunkt der Gegner von naturnahen Schwimm- und Badeteichanlagen lautete, dass es keine verlässlichen Erfahrungen, keinerlei Richtlinien und damit auch keine Parameter für Ausführung und Betrieb dieser Anlagen gab.
Einseitig wurde Propaganda gemacht, auf „Badefreuden mit Risiken“ oder „bedenkliche Hygieneverhältnisse“ hingewiesen.

Auf den ersten Blick waren die fehlenden Richtlinien ein Vorteil für viele Gemeinden, die durch leere Kassen gebeutelt, in den Schwimm- und Badeteichanlagen eine Alternative zu den kostenintensiven konventionellen Schwimmbädern sahen. Aber es war aber auch ein Risiko, da quasi jeder einen Schwimmteich nach seinen Vorstellungen bauen konnte, ohne sich für eine ggf. mangelhafte Wasserqualität verantworten zu müssen.

Ein Vorstoß der Badewasserkommission sollte Klarheit schaffen, der Entwurf ignorierte aber die bis dato gemachten Erfahrungen völlig und betrachtete die Schwimmteiche als eine Art Schwimmbäder, die ähnlich wie natürliche Badegewässer nur durch den Verdünnungseffekt (Forderung: 60 cbm Wasservolumen/Badegast) hygienisch unbedenklich gehalten werden könnten.
Die dadurch verursachte Verunsicherung von Gemeinden und Betreibern war beträchtlich.

Der Weg zu einer einheitlichen Beurteilung von Schwimmteichen ist lang. Davon zeugen die mittlerweile drei Richtlinien, die für den Bau bzw. den Betrieb von Schwimm- und Badeteichen herangezogen werden können.

Im Jahre 2000 entschloss sich Niedersachsen eine eigene Empfehlung [1] zu veröffentlichen. Diese wurden weitgehend in komprimierter Form in die aktuellen (Juni 2003) Empfehlungen des Umweltbundesamtes [2] übernommen.
Die Gewichtung dieser Empfehlung ist sehr groß, da diese durch die Badewasserkommission erarbeitet wurde, und als Grundlage für die Überwachung durch die Gesundheitsämter angesehen wird. Ergänzend dazu wurde durch ein Gremium an Fachleuten unter der Schirmherrschaft der FLL, Bonn eine Richtlinie erarbeitet. Darin geht es neben hygienischen Parametern vor allem um Planung, Bau, Betrieb und Pflege von Schwimm- und Badeteichanlagen.
Derzeit wird der Gelbdruck überarbeitet und eine Veröffentlichung ist für den Herbst diesen Jahres geplant.

Die vermeintliche Grauzone, in der sich Planer und Betreiber befanden, ist überwunden und die Anforderungen an Schwimmteiche lassen sich deutlich besser einordnen. Dies ist auch schon daran erkennbar, das sich bereits mehrere Großstädte Gedanken über einen möglichen Umbau ihrer Bäder machen.
Zusätzlich befassen sich vermehrt Planer konventioneller Bäder mit dieser Materie. Das Wissen dazu wird verstärkt auf Seminaren zu diesem Thema vermittelt.
Einziger Wermutstropfen: in Österreich hat man es geschafft, die Anforderungen für die Kleinbadeteiche in ein Gesetz, dem Bäderhygienegesetz einfließen zu lassen und damit noch mehr Klarheit geschafft.

Nun geht es daran, den bisher erreichten Qualitätsstandard nicht nur zu erhalten sondern immer weiter zu verbessern, denn in der deutschen Bäderlandschaft haben sich Schwimm-und Badeteiche einen festen Platz erkämpft.
Die Deutsche Gesellschaft f. naturnahe Badegewässer e.V. bemüht sich intensiv um den weiteren Wissenstransfer zwischen Praxis und Forschung, unter anderem mit der Erteilung von eigenen Forschungsaufträgen.
Unter anderem wurden Langzeitstudien zum Thema Gewässerökologie in verschiendenen kommunalen Schwimmteichen in Auftrag gegeben. Derzeit läuft ein Betriebsvergleich bestehender Naturerlebnisbäder, mit dem Ziel exakte und vergleichbare Daten zu erhalten. Diese Daten stehen den Mitgliedern der DGfnB e.V. zur Verfügung.

Mehr Informationen erhalten Sie unter www.kleinbadeteiche.de oder per Fax von der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer e.V., 85232 Bergkirchen 08131-354704.

Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer e.V., Jörg Baumhauer


 

[1] Anforderungen an Kleinbadeteiche mit biologisch-mechanischer Aufbereitung und in diese umgebaute Beckenbäder (Nds Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales Hannover vom 26.07.2000)

[2] Hygienische Anforderungen an Kleinbadeteiche (künstliche Schwimm- und Badeteiche)- Empfehlungen des Umweltbundesamtes.